dt. Interview

Interview mam Jens Lubbadeh

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Foto: Random House/Christina Körte

Wann haben Sie bemerkt, dass Sie ein Talent zum Schreiben haben?
Schon in der Schule. Ich habe es geliebt, wenn wir Aufsätze schreiben und uns Geschichten ausdenken sollten. Es war ein Kindheitstraum von mir, Schritsteller zu werden, mit 14 Jahren habe ich  versucht, ein Buch zu schreiben – damals stark beeinflusst von Stephen Kings Büchern. Mein Interesse für Naturwissenschaften war aber auch groß, ich habe Biologie studiert und dachte lange Zeit, ich würde Wissenschaftler werden. Erst während der Diplomarbeit merkte ich, dass ich nicht zum Forscher tauge. Ich hatte dann die Idee, meine Liebe zum Schreiben mit der für die Wissenschaft zu vereinen und wurde Wissenschaftsjournalist. Das Roman-Schreiben habe ich erst einmal nicht weiter verfolgt, weil ich dachte, ich hätte keine Chance. Es kam anders. Zum Glück!

Wie hat sich Ihr Leben nach den ersten Veröffentlichungen verändert?
Ich bin sehr stolz auf meine drei Bücher. Ich genieße es insbesondere, Lesungen zu veranstalten und dort in direkten Kontakt mit Lesern zu gehen, zu sehen, wie meine Ideen und Worte bei ihnen wirken. Schreiben und auch das Lesen ist ja ansonsten ein einsamer Prozess. Was sich seltsam für mich anfühlt, ist die Ehrfurcht vieler Leute, wenn ich ihnen erzähle, dass ich Bücher schreibe.

Wurden Sie vom Erfolg überrascht?
Viele Leute denken, wenn man ein Buch veröffentlicht hat, hat man es geschafft. In Wahrheit geht dann der Kampf erst los. Die kommerzielle Seite des Buch-Geschäftes ist hart. Es kommen jedes Jahr sehr viele Bücher auf den Markt. Da rauszustechen ist schwer. Insofern gibt es da für mich noch viel zu tun.

War es schwierig für das erste Buch einen Verlag zu finden?
Ich bin ja auch Journalist und hatte bereits für ein Sachbuchprojekt mit einer Literaturagentin Kontakt gehabt. Bei einer Recherche für einen Artikel über virtuelle Realität kam mir die Idee für meinen ersten Roman. Ich nahm mit der Agentin Kontakt auf, sie war von der Idee angetan und gewillt, mich zu vertreten. Sie half mir bei der Erstellung eines Exposés und riet mir, schon mit dem Schreiben anzufangen, bevor sie es Verlagen anbot. Irgendwann hatte ich 70 Seiten beisammen und sie konnte damit den Heyne-Verlag für das Buch gewinnen. Ich hatte Glück, mir war damals nicht klar, wie schwierig es eigentlich ist, als Newcomer in der Belletristik einen Verlag zu finden. Normalerweise erwarten Literaturagenturen ein fertiges Exposé und eine Leseprobe, viele Angebote werden abgelehnt. Und auch die Verlage wollen bei einem unbekannten Autoren in der Regel kein Risiko eingehen und fordern ein fertiges Manuskript. Wahrscheinlich hatte ich als Journalist da einen gewissen Vorteil.

Was ist für Sie der schwierigere Moment – den ersten Satz zu schreiben oder den letzten?
Der erste Satz ist schwieriger, weil der gleich sitzen und den Leser einfangen muss. Der Schluss ist auch sehr wichtig, aber da geht es nicht nur um einen einzigen Satz.

Haben andere Autoren Sie beeinflusst – und wenn ja: Wie?
Stephen King ist für mich ein großes Vorbild. Insbesondere seine Einstellung zum Schreiben mag ich.  Für ihn bedeutet Schreiben Genuss und Spaß. Viele Autoren, insbesondere deutsche, hängen dieser irrigen Vorstellung an, dass Schreiben eine Qual sein muss. Von einem Kollegen hörte ich mal den Spruch: Qualität kommt von Qual. Ich finde solch eine Einstellung völlig bescheuert. Ich kann nur jedem angehenden Schreiber empfehlen Stephen Kings Buch „On Writing“ zu lesen.
Als Kind und Jugendlicher habe ich sehr viel Scifi gelesen: Heinlein, Asimov, Silverberg, Gibson, Dick. Ich habe mich aber in meiner Stadtbibliothek querbeet durch alle Regale regelrecht gefressen. Die Bücher, die mich in meinen Jugendjahren am meisten geprägt haben, waren „Die Unendliche Geschichte“ und „Momo“ von Michael Ende, „Die Brüder Löwenherz“ von Astrid Lindgren, viele Bücher von Hermann Hesse, zum Beispiel „Der Steppenwolf“ oder „Siddharta“, „Fiesta“ von Ernest Hemingway, „Jenseits von Eden“ von John Steinbeck, „Im Westen nichts Neues“ von Erich Maria Remarque, „Misery“, „Es“, „Dead Zone“ und „Die Leiche“ von Stephen King, „Moon Palace“ von Paul Auster, „Neuromancer“ von William Gibson. „Dune“ von Frank Herbert ist auch ein tolles Buch.
Ich mag gute, starke Geschichten. Die, die man in einem Satz zusammenfassen kann und die einen sofort packen. Diese ideengetriebenen Bücher findet man häufig bei King, aber auch bei Autoren wie Michael Crichton oder Andreas Eschbach.
Wenn ich gerade schreibe, muss ich ein bisschen aufpassen – meine Schreibe ist sehr davon beeinflusst, was ich selbst gerade lese.

Wie lange dauerte es von der Idee, bis zum fertigen Produkt?
Etwa ein Jahr.

Schreiben Sie mit der Hand, der Schreibmaschine, dem Computer? Wie darf man sich Ihren Arbeitsplatz vorstellen?
Ich schreibe am Computer. Aber ich habe mir vorgenommen, die Vorarbeiten künftig mit der Hand zu schreiben. Ich glaube, das Haptische spielt eine große Rolle beim kreativen Prozess. Man denkt und schreibt dann anders.
Den perfekten Arbeitsplatz suche ich noch. Ich habe viel ausprobiert: heimischer Schreibtisch, Coworking-Space, eigenes Büro, das Bett, die Küche, Cafés, Parks, am Strand, im Zug. Ich brauche vor allem Ruhe und Musik, also auch gute Kopfhörer. Ein schöner Ausblick hilft. Ich glaube, eine Hütte am See oder im Wald könnte für mich gut funktionieren.

EBooks oder Papierdruck?
Lieber Papierdruck.

Was halten Sie von Eselsohren in Büchern?
Finde ich gut, ich produziere sie auch fleißig selbst. Ich mag es, wenn Bücher Spuren des Lesers aufweisen.

Nehmen Sie sich die Kritiken, zu Ihren Büchern zu Herzen?
Eigentlich nur diejenigen bei denen ich das Gefühl habe, dass der Leser sich wirklich mit dem Buch beschäftigt hat – unabhängig davon ob ihm das Buch gefallen hat oder nicht.

Was ist das Geräusch/der Geruch Ihrer Kindheit?
Das Piepsen der Datasette meines C64.

Welchen Kindheitstraum haben Sie sich noch nicht erfüllt?
Ein ganzes Kino für mich alleine zu haben und darin „Das Imperium schlägt zurück“ schauen.

Wenn Sie mit einem Fingerschnipsen etwas in Ihrem Leben ändern könnten – was wäre es, und warum?
Ich würde gerne mit einem Fingerschnipsen den Klimawandel lösen. Und wenn das nicht geht, dann wenigstens den Nahost-Konflikt.

Welche Figur aus einem Roman oder einem Film würden Sie gerne treffen – und was würden Sie ihm / ihr sagen?
Ich würde gerne Chewbacca treffen und ihn bitten, mir das Armbrustschießen beizubringen.

Haben Sie ein Lieblingsbuch?
Puh, das ist schwer. Kann ich nicht beantworten.

Lieblingszitat?
Talk the talk, walk the walk

Wie würden Sie sich in drei Wörtern beschreiben?
Empathisch, treu, humorvoll

Die beste Entscheidung Ihres Lebens war?
Zu Schreiben

Wann können Ihre Leser mit dem nächsten Buch rechnen?
2022

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