dt. Interview

Interview mam Myriane Angelowski

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Foto: Laura Westerhoff

Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für diese Fragen nehmen!

Wann haben Sie bemerkt, dass Sie ein Talent zum Schreiben haben?
Ich habe schon im Alter zwischen 9 und 11 Jahren erste kleine Geschichten verfasst. Als Talent sah ich es nicht, wohl aber als Besonderheit, denn in meiner Schulkasse hat niemand in der Art geschrieben. Ich liebte alles, was mit dem Schreiben zusammenhing. Gedichte auswendig lernen, lesen, Texte zu Bildergeschichten erfinden, Aufsätze schreiben, und später Textanalysen verfassen. Meine Deutschlehrerin hat mich sehr bestärkt. Auch als Jugendliche habe ich geschrieben, aber dann geriet meine Leidenschaft zuerst in den Hintergrund und dann in Vergessenheit, als „der Ernst meines Lebens“ begann.

Wie hat sich Ihr Leben nach den ersten Veröffentlichungen verändert?
Wurden Sie vom Erfolg überrascht?
Der Titel meines ersten Buches lautet „Gegen die Zeit“, es ist ein Kriminalroman, der in Köln spielt. Mein Leben hat sich damit nicht großartig verändert. Allerdings bestärkte mich die Veröffentlichung sehr darin, weiter zu schreiben. Es war ein großer persönlicher Erfolg, denn ich hatte meinen Festanstellung gekündigt, um Schreiben zu können und damit einiges riskiert. Glücklicherweise folgte dann Titel auf Titel. Mittlerweile sind es acht Bücher, die alle im Emons-Verlag Köln erschienen sind. Trotzdem bin ich weitestgehend noch unbekannt und weniger erfolgreich – im kommerziellen Sinne. Persönlich fühle ich mich durch das Schreiben reich beschenkt.

War es schwierig für das erste Buch einen Verlag zu finden?
Im Nachhinein betrachtet hatte ich unheimliches Glück. Ich habe einzig beim Emons-Verlag vorgesprochen und den Lektorinnen von meiner Idee zu meinem Krimi „Gegen die Zeit“ erzählt. Sie haben den Titel veröffentlicht und mich danach „einfach weiter schreiben lassen“.

Was ist für Sie der schwierigere Moment – den ersten Satz zu schreiben oder den letzten?
Über beide Sätze denke ich in der Regel lange nach. Schwierig ist es nicht. Für mich ist es eher wichtig und spannend.

Haben andere Autoren Sie beeinflusst – und wenn ja: Wie?
Ich habe sehr früh sehr viel gelesen. Im Grunde habe ich alles verschlungen. Als Kind ganz klassisch Erich Kästner, Enid Blyton, Otfried Preußler und Astrid Lindgren. Als Jugendliche die Texte von Theodor Storm, Leo Tolstoi, Berthold Brecht, Heinrich Böll, Joseph Roth und besonders John Irving. Ab Mitte zwanzig entdeckte ich Schriftstellerinnen wie Doris Lessing, Simone de Beauvoir, Elfriede Jelinek, Silvia Plath, Margret Atwood und Virginia Woolf. Kriminalromane/Thriller habe ich parallel gelesen. Zuerst Patricia Highsmith und Agatha Christie. Später eher Stephan King. Von daher fühle ich mich von vielen Schriftstellerinnen und Schriftstellern inspiriert und beeinflusst! Heute lese ich am liebsten Biografien.

Wie lange dauerte es von der Idee, bis zum fertigen Produkt?
In der Regel ungefähr ein Jahr. An PORZELLANKIND habe ich vier Jahre gearbeitet, nicht permanent, aber immer wieder. Das ist bisher eine absolute Ausnahme.

Schreiben Sie mit der Hand, der Schreibmaschine, dem Computer? Wie darf man sich Ihren Arbeitsplatz vorstellen?
Die ersten Ideen sammle ich auf Papier und ordne sie dann auf Karten, die ich wie ein Schaubild auf den Boden lege. Dann erstelle ich Exposé und Stufendiagramm. Die Geschichte schreibe ich am Laptop. In Cafés oder in öffentlichen Räumen fällt es mir schwer, mich zu konzentrieren, deshalb arbeite ich gerne in meinem Arbeitszimmer mit Blick auf den Hinterhof und die Dächer der Nachbarhäuser.

EBooks oder Papierdruck?
Was halten Sie von Eselsohren in Büchern?
Ich besitze keinen E-Book-Reader. Eselsohren sind mir sehr sympathisch.

Nehmen Sie sich die Kritiken, zu Ihren Büchern zu Herzen?
Solange ein Text unveröffentlicht ist, nehme ich Kritiken von Seiten der Erstlesenden, der Lektorin und vom Verlag sehr ernst. Sobald ein Titel gedruckt ist, lese ich selten Rezensionen. Und wenn, versuche ich sie, als Einzelmeinung zu betrachten. Falls ich aber mal auf eine ungewöhnlich gute Rezension hingewiesen werde und sie lese, freue ich mich natürlich darüber.

Was ist das Geräusch/der Geruch Ihrer Kindheit?
Das Abspielen von Schallplatten (die Nadel auf der Scheibe) und der Geruch von Weihrauch sind fest an meine Kindheit gekoppelt. (natürlich unabhängig voneinander ;-))

Welchen Kindheitstraum haben Sie sich noch nicht erfüllt?
Ich möchte Polarlichter sehen.

Wenn Sie mit einem Fingerschnipsen etwas in Ihrem Leben ändern könnten – was wäre es, und warum?
Ich würde gerne regelmäßig für mehrere Wochen an einem abgelegenen Ort schreiben. Ganz für mich ohne große Ablenkung. Ich habe zwar täglich feste Schreibzeiten, aber die kreativen Phasen werden doch häufig von Verpflichtungen und Alltagsabläufen unterbrochen. Reine Schreibzeiten sind absoluter Luxus.

Welche Figur aus einem Roman oder einem Film würden Sie gerne treffen – und was würden Sie ihm / ihr sagen?
Grace Heke aus dem Film „Die letzte Kriegerin“ um ihr zu sagen: „Lebe! Und schrei deine Wut in die Welt!“

Was bedeutet Familie für Sie?
Inspiration.

Haben Sie ein Lieblingsbuch?
Das Hotel New Hampshire

Lieblingszitat?
„Wirklich reich ist, wer mehr Träume in seiner Seele hat, als die Realität zerstören kann.“ (Hans Kruppa)

Wie würden Sie sich in drei Wörtern beschreiben?
fantasievoll, zuverlässig, aufgeschlossen

Was ist Ihnen wichtig, am Ende eines oder vielleicht sogar: eines jeden Tages getan zu haben?
Einmal schallend gelacht zu haben.

Die beste Entscheidung Ihres Lebens war?
Mich völlig dem Schreiben zu widmen.

Wann können Ihre Leser mit dem nächsten Buch rechnen?
Voraussichtlich 2021.

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