Interview mam Sabine Trinkaus

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Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für diese Fragen nehmen!

Wann haben Sie bemerkt, dass Sie ein Talent zum Schreiben haben?
– Ich habe schon als Kind sehr gerne geschrieben – in der Grundschule waren Aufsätze meine Leidenschaft – und die waren manchmal von einer Dramatik, die meine besorgte Lehrerin dazu trieb, meine Mutter einzubestellen, um sicher zu gehen, dass zu Hause alles in Ordnung ist. Darauf folgte die klassische Tagebuchphase, in der ich dann allerdings auch immer wieder merkte, wie langweilig mein Leben trotz aller pubertären Wirren doch war – darum war die naheliegende Alternative, mir ein spannenderes Leben auszudenken.

Wie hat sich Ihr Leben nach den ersten Veröffentlichungen verändert?
Wurden Sie vom Erfolg überrascht?
– Meine erste Veröffentlichung war eine Kurzgeschichte, die ich bei einem Kurzkrimi-Wettbewerb eingereicht hatte. Sie wurde nicht nur veröffentlicht, sondern gewann auch einen Preis – und das war natürlich sehr aufregend, denn ich hätte es vorher tatsächlich nicht für möglich gehalten, dass ich je irgendwo gedruckt werde. Dass ich damit auch gleich gewonnen habe, war extrem motivierend, denn es hat dazu geführt, dass ich mein Schreiben zum ersten Mal wirklich ernst genommen und mehr als ein Hobby darin gesehen habe.

War es schwierig für das erste Buch einen Verlag zu finden?
– Es war nicht nur schwierig, es war unmöglich – und das war auch gut so. Mein erster Roman liegt bis heute in der Schublade, und da wird er auch bleiben, denn er war nicht sonderlich überzeugend. Die erste Romanveröffentlichung kam dann, nachdem ich über eine längere Zeit Kurzgeschichten geschrieben und veröffentlicht habe – und darum schon Kontakte zu Verlagen hatte. Das hat es etwas leichter gemacht.

Was ist für Sie der schwierigere Moment – den ersten Satz zu schreiben oder den letzten?
– Der letzte Satz ist eindeutig der Schwerste – weniger als Satz, sondern weil es mir sehr schwerfällt, einen Roman aus der Hand zu geben. Anders als bei einer Kurzgeschichte finde ich in Romanen immer noch so viel zu verbessern oder zu verändern, dass sie sich nie wirklich fertig anfühlen. Darum ist es gut, dass es Abgabetermine gibt – sonst würde ich nie fertig werden.

Haben andere Autoren Sie beeinflusst – und wenn ja: Wie?
– Auf jeden Fall – mich beeinflusst alles, was ich lese. Und es gibt immer wieder Autoren und Bücher, die mich unglaublich beeindrucken – und auch einschüchtern, weil sie so perfekt sind. Das sind dann die Sterne, nach denen man sich strecken sollte – auch wenn man dort möglicherweise nie hinkommen wird.

Wie lange dauerte es von der Idee, bis zum fertigen Produkt?
– Das kommt auf das Thema und das Genre an. Bei meinen klassischen Ermittlerkrimis hat es immer ungefähr ein Jahr gedauert, bei den Thrillern eher zwei Jahre.

Schreiben Sie mit der Hand, der Schreibmaschine, dem Computer? Wie darf man sich Ihren Arbeitsplatz vorstellen?
– Ich arbeite in der Regel an einem relativ aufgeräumten Schreibtisch, auf dem mein schnöder Computer steht. Wenn ich merke, dass die Geschichte hängt und ich nicht weiterkomme, gehe ich auch gerne mal mit dem Notizbuch (das ich ohnehin immer dabei habe) raus, setze mich in Cafés oder in einen Park und kritzele mit der Hand vor mich hin – manchmal hilft das.

EBooks oder Papierdruck?
Was halten Sie von Eselsohren in Büchern?
– Meistens Papier – ich habe Bücher am liebsten in der Hand. Allerdings reise ich auch viel und gerne und da sind E-Books eine ganz wunderbare Alternative, weil man sie in großen Mengen mit sich führen kann, ohne einen Rückenschaden zu bekommen. Und obwohl ich als Bibliothekarin natürlich Eselsohren theoretisch ablehne, sind sie doch ein Liebesbeweis – je mehr Eselsohren, desto besser hat mir das Buch gefallen.

Nehmen Sie sich die Kritiken, zu Ihren Büchern zu Herzen?
– Ja, natürlich. Es kommt natürlich ein bisschen darauf an, von wem die Kritik kommt und wie fundiert sie ist. Ich möchte sie auch nicht missen, denn sie kann ja auch sehr hilfreich sein. Aber Spaß macht das nicht.

Was ist das Geräusch/der Geruch Ihrer Kindheit?
– Das Geräusch der Wählscheibe des Telefons. Das stand im Flur vor der Tür meines Kinderzimmers – und ich konnte an dem Geräusch hören, wer da gerade angerufen wird. Mein Lieblingsgeruch war Klebstoff – ich habe sehr gerne an Pritt-Stiften und Uhu-Tuben gerochen – allerdings dabei nie nennenswerte Drogenerfahrungen gesammelt.

Welchen Kindheitstraum haben Sie sich noch nicht erfüllt?
– Am Meer zu wohnen.

Wenn Sie mit einem Fingerschnipsen etwas in Ihrem Leben ändern könnten – was wäre es, und warum?
– Ich würde gerne mit einem Fingerschnips dafür sorgen, dass ich keine Angst mehr vor dem falschen Dingen habe.

Welche Figur aus einem Roman oder einem Film würden Sie gerne treffen – und was würden Sie ihm / ihr sagen?
– Khal Drogo aus Game of Thrones, dem ich dringend raten würde, Daenerys zu verlassen – ich bin bis heute nicht darüber hinweg, dass er gestorben ist.

Was bedeutet Familie für Sie?
– Sicherheit und Verlässlichkeit – wobei ich einen sehr weit gefassten Familienbegriff habe – je mehr Patchwork, desto besser.

Haben Sie ein Lieblingsbuch?
– Eher tausend – und es kommen ständig Neue dazu, darum fange ich gar nicht mit einer Liste an.

Lieblingszitat?
– „In einem guten Buche stehen mehr Wahrheiten, als sein Verfasser hineinzuschreiben meinte.“ (Marie von Ebner-Eschenbach)

Wie würden Sie sich in drei Wörtern beschreiben?
– Neugierig, ungeduldig, pragmatisch.

Was ist Ihnen wichtig, am Ende eines oder vielleicht sogar: eines jeden Tages getan zu haben?
– Lachen.

Die beste Entscheidung Ihres Lebens war?
– Lesen zu lernen.

Wann können Ihre Leser mit dem nächsten Buch rechnen?
– Das kann ich leider im Moment nicht genau sagen – ich stecke gerade in einem Projekt, mit dem ich Neuland betrete – von daher verweigere ich da aus Sicherheitsgründen die Aussage.

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