dt. Interview

Interview mam Andreas Brandhorst

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Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für diese Fragen nehmen!

Wann haben Sie bemerkt, dass Sie ein Talent zum Schreiben haben?
Antwort: Ich schreibe, seit ich schreiben kann. In der Schule durfte ich damals mit acht oder neun Jahren die ersten Geschichten vorlesen, die ich selbst verfasst hatte – die Lehrerin muss was gemerkt haben. 🙂

Wie hat sich Ihr Leben nach den ersten Veröffentlichungen verändert?
Wurden Sie vom Erfolg überrascht?
Antwort: Es kommt darauf an, wie man »Erfolg« definiert. Meinen ersten Roman, einen Heftroman, habe ich 1975 verkauft, damals war ich 19. Ein paar Jahre später bin ich hauptberuflicher Autor geworden, die erste Veröffentlichung war zweifellos wichtig für mich. Später habe ich dann weiter geschrieben, aber vor allem übersetzt, bis Ende der 90er-Jahre. Der große kommerzielle Erfolg von »Diamant« und meiner Kantaki-Romane, erschienen ab 2004, hat mich dann zu dem Schriftsteller gemacht, der ich heute bin. Eine »Überraschung« in dem Sinne gab es nicht, dafür aber harte Arbeit über viele Jahre hinweg.

War es schwierig für das erste Buch einen Verlag zu finden?
Antwort: Es war schwierig beim allerersten Roman, damals in den 70er-Jahren, später nicht mehr.

Was ist für Sie der schwierigere Moment – den ersten Satz zu schreiben oder den letzten?
Antwort: Beides kann sehr schwierig sein. Es kommt auf den jeweiligen Roman an, auf den »Ton«, den es zu treffen gilt.

Haben andere Autoren Sie beeinflusst – und wenn ja: Wie?
Antwort: Ich habe keine Vorbilder. Auch damals, vor mehr als 40 Jahren, habe ich nie gedacht: Ich möchte so schreiben wie der und der Autor. Man muss sich selbst entdecken, die eigene Stimme finden. Aber zweifellos gibt es Autoren, die ich sehr schätze und die mich beeinflusst haben, zum Beispiel Frank Herbert mit »Dune« oder Dan Simmons mit »Hyperion«. Heute lese ich gern hervorragende Autoren außerhalb des fantastischen Bereichs, zum Beispiel Marlen Haushofer, Robert Seethaler, Margaret Mazzantini, Elena Ferrante u.a.

Wie lange dauerte es von der Idee, bis zum fertigen Produkt?
Antwort: Das kann bis zu einem Jahr dauern, manchmal sogar noch mehr, bei einem Thriller mit aufwendigen Recherchen wie zum Beispiel »Das Erwachen«.

Schreiben Sie mit der Hand, der Schreibmaschine, dem Computer? Wie darf man sich Ihren Arbeitsplatz vorstellen?
Antwort: Ich benutze natürlich einen Computer, eine sehr leistungsfähige Workstation, die unter Linux (Arch Linux) läuft. Meine Arbeit findet an 3 Bildschirmen statt. (Foto ist beigefügt.)

Was halten Sie von Eselsohren in Büchern?
Antwort: Gar nichts.

Nehmen Sie sich die Kritiken zu Ihren Büchern zu Herzen?
Antwort: Das kommt ein bisschen darauf an, wie die Kritiken beschaffen sind. Konstruktive Kritik ist willkommen. Ich versuche immer zu lernen, und mich wurmt jeder Fehler, der mir trotz sehr sorgfältiger Arbeit unterläuft. Abgesehen davon gehe ich weiter meinen Weg: Ich schreibe das, was ich selbst gern lesen würde, und zwar so gut wie möglich.

Was ist das Geräusch/der Geruch Ihrer Kindheit?
Antwort: Das Rauschen des Winds in hohen Baumkronen.

Welchen Kindheitstraum haben Sie sich noch nicht erfüllt?
Antwort: Ich wäre gern Astronaut geworden. Aber als Schriftsteller kann ich noch viel weiter ins Universum vorstoßen.

Wenn Sie mit einem Fingerschnipsen etwas in Ihrem Leben ändern könnten – was wäre es, und warum?
Antwort: Ich würde mich gern mit einem Fingerschnipsen um zehn, zwanzig oder meinetwegen auch dreißig Jahre verjüngen – natürlich ohne an Erfahrungen einzubüßen. 🙂 Dann hätte ich mehr Zeit, all die Romane zu schreiben, die ich gern schreiben würde.

Welche Figur aus einem Roman oder einem Film würden Sie gerne treffen – und was würden Sie ihm / ihr sagen?
Antwort: Ich würde gern Cliff Allister McLane aus »Raumpatrouille« begegnen, der Fernsehserie, die mich damals als Zehnjähriger für die Science Fiction begeisterte. Und ich würde ihm sagen: »Bitte nehmen Sie mich mit bei Ihrem nächsten Flug mit der Orion.«

Was bedeutet Familie für Sie?
Antwort: Schwer zu sagen, da ich seit vielen Jahren keine Familie mehr habe. Ich denke, eine funktionierende Familie ist wie ein kleines Paradies auf Erden.

Haben Sie ein Lieblingsbuch?
Lieblingszitat?
Antwort: Nein, ich habe kein Lieblingsbuch, aber mir fällt ein Zitat ein, das gut zu den Verschwörungstheorien und entsprechenden wirren Facebook-Postings passt, von denen es derzeit zu viele gibt. Es stammt aus Terry Pratchetts »Eric« und lautet: »Drei Ausrufezeichen«, fuhr er fort und schüttelte den Kopf. »Sicheres Zeichen für einen kranken Geist.«

Wie würden Sie sich in drei Wörtern beschreiben?
Antwort: Ich bin ich.

Was ist Ihnen wichtig, am Ende eines oder vielleicht sogar: eines jeden Tages getan zu haben?
Antwort: Es ist mir wichtig, guten Text geschrieben zu haben.

Die beste Entscheidung Ihres Lebens war?
Antwort: Schriftsteller zu werden.

Wann können Ihre Leser mit dem nächsten Buch rechnen?
Antwort: Am 5. Oktober 2020 erscheint bei Piper der Thriller »Die Eskalation«, Fortsetzung von »Das Erwachen«.

Kategorien:dt. Interview

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