dt. Interview

Interview mam Katrin Bongard

KatrinBongard_oetinger
Foto: Uwe Carow

Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für diese Fragen nehmen!
Gerne, ich liebe Interviews.

Wann haben Sie bemerkt, dass Sie ein Talent zum Schreiben haben?
Ich habe sehr früh lesen gelernt und auch immer viel geschrieben. Schon als Kind habe ich Tagebuch geführt und in der Schule bekam ich die besten Noten für Aufsätze. Aber richtig gut schreiben ist etwas anderes und als ich mein erstes Buch geschrieben hatte, fand ich es so schlecht, dass ich es gleich wieder vernichtet habe.
Schreiben hat sehr viel mit Handwerk zu tun. Üben. Ähnlich wie bei einem Instrument. Das ist die Grundlage. Und danach, wenn man diese Grundlagen beherrscht, kann man seine Interpretation in die Texte bringen, den eigenen Stil finden, dann kann man seine eigene „Musik“ machen.

Wie hat sich Ihr Leben nach den ersten Veröffentlichungen verändert?
Meine erste Veröffentlichung war das Manuskript, für das ich den Peter-Härtling-Pries gewonnen habe. Ich wurde unter ungefähr fünfhundert Manuskripten von Schreibprofis ausgewählt und es gab ein großes Preisgeld. Eine Veröffentlichung war damit verbunden.
Diesen Preis zu gewinnen, hat mir gezeigt, dass ich mein Handwerk beherrsche. Es war ein schöne Bestätigung. Jetzt kann ich professionell schreiben.
Die Veröffentlichung war dann etwas weniger aufregend, aber natürlich auch sehr schön.

Wurden Sie vom Erfolg überrascht?
Vom Erfolg überrascht? Hm. Den Erfolg, den ich für mich sehe, habe ich noch gar nicht gehabt. 😉 Ich spüre, dass ich noch mehr kann. Alles, was ich bisher erreicht habe, fühlt sich gut und richtig an, da ist aber noch viel Platz nach oben 🙂

War es schwierig für das erste Buch einen Verlag zu finden?
Als ich den Peter-Härtling-Preis gewonnen habe, war es klar, dass ich bei Beltz veröffentlichen würde, daher war es leicht. Es waren sogar noch andere Verlage an dem Text interessiert, aber als ich gewonnen habe, war es klar, dass ich dort veröffentliche.

Was ist für Sie der schwierigere Moment – den ersten Satz zu schreiben oder den letzten?
Der Anfang ist schwierig. Ich muss die Energie aufbauen, mich reinstürzen. Das ist jeden Tag wieder schwierig, die Stimmung des Buches aufnehmen, mich fallen zu lassen, meinen Figuren zuzuhören.
Der letzte Satz ist dagegen einfacher. Er ergibt sich meist von selbst. Es läuft auf ein Ende zu und dann ist der Satz da. Stark und klar. Manchmal ändere ich minimal etwas, aber das Ende hat meist eine gewisse Logik und dort muss man eben ankommen.

Haben andere Autoren Sie beeinflusst – und wenn ja: Wie?
Ich habe als Kind mehrere Bücher am Tag gelten, später dann etwas weniger, aber auch noch viel. Ich habe von allen Büchern und Texten, die ich jemals gelesen habe, viel gelernt. Hoch- und Trivialliteratur, wissenschaftliche Texte und Blogbeiträge, Theaterstücke und Twitter-Nachrichten, alles kann mich inspirieren. Manchmal durch den Rhythmus, durch die Aussage, durch einen guten Stil oder durch einen schlechten. Ich liebe Texte, die wie gute Rock- oder Folkmusik sind. Ehrlich, klar, die einen guten Beat haben.

Wie lange dauerte es von der Idee, bis zum fertigen Produkt?
Ideen habe ich ständig, die kommen in Sekunden. Nicht aus allen wird ein Buch. An einem Buch schreibe ich zwischen 3 Monaten und 3 Jahren. Ich bin sehr schnell im Schreiben geworden, aber wenn ich viel recherchiere, dann brauche ich mehr Zeit.

Schreiben Sie mit der Hand, der Schreibmaschine, dem Computer? Wie darf man sich Ihren Arbeitsplatz vorstellen?
Ich schreibe auf dem Laptop und sitze dabei am liebsten auf einer Couch, einem Bett, damit ich die Füße hochlegen kann. Ich plotte/plane Texte allerdings mit der Hand. Also Feinliner und ein kleiner Blog. Am Anfang mache ich mir Notizen, damit ich weiß, wie es ungefähr hingeht. Manchmal sitze ich auch am Schreibtisch oder in einem Café, in der Bahn oder in einem Hotelzimmer auf dem Bett.

EBooks oder Papierdruck?
Früher nur Printbücher, aber ich habe E-Books lieben gelernt. Ich kann einen Text morgens auf meinem Paperwhite anfangen, unterwegs auf dem Handy weiterlesen, abends auf dem Kindle Fire nach einer Netflix-Serie lesen. Das ist einfach genial. Ich habe kaum noch Printbücher. Dafür viele Kunstkataloge.

Was halten Sie von Eselsohren in Büchern?
Ein No go für mich. Unmöglich. Unvorstellbar. Nein. Geht gar nicht. 🙂 Aber klar, jeder kann mit seinen Büchern machen, was er will. Ich mag keine Eselsohren, finde zerlesene Bücher aber sehr toll. Es zeigt, dass man ein Buch liebt, geliebt hat.

Nehmen Sie sich die Kritiken, zu Ihren Büchern zu Herzen?
Grundsätzlich ja. Eine gute Kritik ist für mich immer konstruktiv. Daraus kann ich lernen.
Aber wenn jemand mir eine Rezension schreibt, die schlecht geschrieben ist, etliche grammatikalische Fehler enthält und mir in der Kritik dann jemand sagt, ich könne nicht schreiben – okay, da denke ich mir: Wer sagt dir das jetzt gerade?

Was ist das Geräusch/der Geruch Ihrer Kindheit?
Der Geruch ist der nach neugeborenen Babys, nach Babypuder und Babycreme, da ich die Älteste bin und danach noch drei Kinder geboren wurden.
Geruch ist für mich extrem wichtig, ich schreibe auch viel darüber, wie Menschen und Orte riechen. Es sind viele (gute) Gerüche meiner Kindheit in mir abgespeichert.
Geräusch? Hm … Auch hier gibt es viele. Wir haben in einer Siedlung mit vielen Kindern gewohnt. ich mochte, wenn ich das Geschrei auf der Spielweise schon von weitem gehört habe. Dann war klar, heute wird es lustig/spannend/aufregend.

Welchen Kindheitstraum haben Sie sich noch nicht erfüllt?
Hm. Meine Liste ist ganz gut „abgearbeitet“ 🙂 Ich habe schon sehr viel gemacht.
Aber … mal überlegen. Ein Traum war immer, mal eine große eigene Fan-Base zu haben. So wie Taylor Swift oder Lady Gaga. Diese Fanbase oder Community würde ich gerne an einem Ort versammeln (virtuell, versteht sich). Und mich mit ihnen austauschen. Menschen, die meine Bücher lieben. Aber auch meine Kunst, meine Filme, meinen Stil. Denen ich etwas geben kann, die es mögen, dass ich über unterschiedliche Themen schreibe, verschiedene Dinge tue, die meinen Vibe meinen Style verstehen. Die mir helfen, besser zu werden, die mich anspornen.
Wenn Sie mit einem Fingerschnipsen etwas in Ihrem Leben ändern könnten – was wäre es, und warum?
Mein Leben ist wundervoll. Ich mag, dass ich noch nicht alles habe, was ich mir wünsche, weil es wird immer etwas geben wird, nach dem ich mich ausstrecke. Was ich noch erreichen will. Ich finde es gut, immer neue Ziele zu haben.

Welche Figur aus einem Roman oder einem Film würden Sie gerne treffen – und was würden Sie ihm / ihr sagen?
Lustige Frage. Ich habe das Gefühl… dass ich die Figuren treffe, wenn ich lese oder einen Film sehe. Alle. Und ich finde, sie sind auch sehr gesprächig.

Was bedeutet Familie für Sie?
Familie ist mir wichtig. Sie muss offen und liebevoll sein, jedem seine Freiheit lassen. Die ältere und jüngere Generation sollte sich gegenseitig wertschätzen, offen miteinander sein, sich lieben. Eine gute Familie ist für mich wie eine enge Freundesgruppe.

Haben Sie ein Lieblingsbuch?
Das wechselt ständig. Ich weiß noch, als Kind war es „Krabat“.

Lieblingszitat?
Sehr viele. Aber eines, das ich gerne habe ist: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.

Wie würden Sie sich in drei Wörtern beschreiben?
Klar, ehrlich, sensibel.
Was ist Ihnen wichtig, am Ende eines oder vielleicht sogar: eines jeden Tages getan zu haben?
Dankbar zu sein.
Die beste Entscheidung Ihres Lebens war?
Die beste Entscheidung war wohl … mich für mein eigenes Leben zu entscheiden. Für mich. Mir von niemanden reinreden zu lassen, nur auf mein Gefühl zu vertrauen, den eigenen Kompass.

Wann können Ihre Leser mit dem nächsten Buch rechnen?
Ich bin eine Hybrid-Autorin. Das heißt, ich veröffentliche in Verlagen und gleichzeitig digital über mein eigenen kleines Label Red Bug Books. Alle 3 Monate kommt ein neues digitales Buch von mir heraus. In diesen Büchern geht es um Kunst, Musik, Sport und Film. Meine Held*innen sind meist kreativ und aktiv. Oft schreibe ich in Serie, also setze eine Geschichte über mehrere Bände fort. Das nächste Buch ist der 5. Teil der Playing-Serie (es geht um Musik und Kunst) und kommt am 15. Mai heraus. Also morgen! #aufregung
Für Verlagen schreibe ich mehr über ernstere Themen. Umwelt, Philosophie, Tod. Auch weil ich mit diesen Büchern zu Lesungen reise und es Bücher mit Themen sind, über die man viel diskutieren kann. Ich liebe Lesungen, ich finde sie schön und wichtig. Leider ist viel durch Corona abgesagt worden. Und auch Gespräche über neue Bücher sind vertagt worden.
Jetzt überlege ich, wie ich das alles online machen kann. Also Lesungen, Gespräche, Austausch. Über das Schreiben, die Kunst und sicher auch über das Leben, die Umwelt. Vielleicht mache ich das auf You Tube. Mal sehen.
Danke Jessica, für diese lange und interessante Interview. Die tollen Fragen!
Und viel Erfolg für deinen Blog.
Katrin

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