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Interview mam Mark Roderick

Mark Roderick

Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für diese Fragen nehmen!
Sehr gerne. Ich freue mich über das Interesse an mir und meinen Büchern.

Wann haben Sie bemerkt, dass Sie ein Talent zum Schreiben haben?
Erst ziemlich spät, da war ich schon über zwanzig. Eigentlich wollte ich nach der Schule als Regisseur zum Film – natürlich schwebte mir großes Hollywood-Kino vor – was man als Teenager eben so träumt. Letztlich ist nie etwas daraus geworden. Statt Film habe ich BWL studiert und bei einer Sparkasse zu arbeiten begonnen. Aber irgendwann dachte ich: Wenn meine Ideen nicht als Drehbuch umgesetzt werden, dann eben als Roman. Also beschloss ich, den Sommerurlaub 1995 zu Hause zu verbringen und ein Buch zu schreiben. Das hat natürlich viel länger gedauert als geplant, aber zwei Jahre später war es soweit, ich hielt mein erstes Manuskript in den Händen, das wenig später auch tatsächlich veröffentlicht wurde. Es hieß „Tod im Regenwald“ und erschienen unter meinem richtigen Namen, Boris von Smercek.

Wie hat sich Ihr Leben nach den ersten Veröffentlichungen verändert?
Wurden Sie vom Erfolg überrascht?
Mein Leben hat sich mit der Erstveröffentlichung überhaupt nicht verändert. Im Grunde genommen bis heute nicht. Ich habe nach wie vor einen Fulltime-Job, zwar nicht mehr bei der Sparkasse, sondern bei einem mittelständischen Betrieb in Stuttgart. Aber ich schreibe nur nebenberuflich Romane – in der S-Bahn, in meiner Mittagspause, abends, wenn die Kinder im Bett sind oder am Wochenende früh morgens, wenn alle noch schlafen. Man muss da ehrlich sein: Ein Neuling im Büchergeschäft bekommt (von wenigen Ausnahmen abgesehen) kein Honorar, von dem man leben geschweige denn eine Familie ernähren kann. Seit ich als Mark Roderick in den Bestsellerlisten vertreten bin, sind die Honorare zwar größer geworden, aber ich weiß noch genau, wie es ist, wenn man ein Jahr lang so gut wie gar nichts als Autor verdient. Das Risiko der Selbständigkeit ist mir zu groß, so lange das Haus noch nicht abbezahlt ist. Da bin ich zu sehr Schwabe, um alles auf eine Karte zu setzen. Diese Entscheidung betrifft ja auch nicht nur mich, sondern auch meine Familie.

War es schwierig, für das erste Buch einen Verlag zu finden?
Als Anfänger hielt ich es für eine gute Idee, den Verlagen erstmal nur eine kurze Zusammenfassung meines Romans zu schicken. Ich dachte, wenn ihnen das zusagt, wollen sie bestimmt das ganze Skript lesen. Aber ich erhielt nur Absagen. Beim zweiten Anlauf habe ich meinen Roman dann fünfmal kopiert und verschickt (so ging das im Jahr 1997, da waren E-Mails noch längst nicht so selbstverständlich wie heute). Prompt bekam ich zwei Angebote – eine feudale Situation für einen Neuling. Ich konnte sogar auswählen.

Was ist für Sie der schwierigere Moment – den ersten Satz zu schreiben oder den letzten?
Weder noch. Das Schwierige ist für mich der Teil dazwischen😊

Haben andere Autoren Sie beeinflusst – und wenn ja: Wie?
Es ist zwar nicht so, dass ich versuche, andere Autoren nachzuahmen, aber natürlich gibt es ein paar, die ich besonders gut finde und deren Qualität ich zu erreichen versuche. Das sind vor allem Stieg Larsson und Jussi Adler-Olsen, aber auch Michael Crichton und David Morrell.

Wie lange dauerte es von der Idee, bis zum fertigen Produkt?
Ich brauche zum Konzipieren und Schreiben etwa ein Jahr – ich mache das ja nur nebenberuflich. Danach dauert es nochmal ca. sechs Monate, bis das Buch lektoriert, korrigiert und gedruckt wird. In dieser Zeit arbeite ich aber meistens schon am nächsten Projekt.

Schreiben Sie mit der Hand, der Schreibmaschine, dem Computer? Wie darf man sich Ihren Arbeitsplatz vorstellen?
Ideen entwickeln und konzipieren – das mache ich am liebsten mit einem Bleistift und einem Block. Dafür gibt es nichts Besseres. Ein Stichwort hier, ein Stichwort dort, ein paar Verbindungslinien dazwischen, um die Zusammenhänge zu skizzieren … herrlich. Zum Schreiben benutze ich dann ausschließlich mein Netbook, mehr brauche ich dafür nicht. Das kann alles, was es können muss, und es passt in jedes Handgepäck.
Einen festen Platz zum Schreiben habe ich nicht. Montags bis Freitags nutze ich die S-Bahnfahrten zum Büro, und ich schreibe normalerweise auch täglich in meiner Mittagspause. Am Wochenende nutze ich meistens den Esstisch, obwohl ich im Dachgeschoss ein Arbeitszimmer habe. Aber meistens bin ich zu faul zum Treppensteigen😊

Ebooks oder Papierdruck?
Was halten Sie von Eselsohren in Büchern?
Bei Büchern bin ich old-school. Die muss ich in der Hand halten und Seiten umblättern, sonst fehlt mir etwas. Allerdings habe ich auch noch nie versucht, ein Ebook auf einem Reader zu lesen, immer nur am Handy, aber irgendwie war das nicht mein Fall. Und zum Thema Eselsohren bin ich zwiegespalten. Bei Sachbüchern knicke ich die Seiten manchmal selbst, wenn ich kein Lesezeichen zur Hand habe oder eine besonders wichtige Seite markieren will. Aber bei Romanen? Ausgeschlossen! Die sind heilig!

Nehmen Sie sich die Kritiken zu Ihren Büchern zu Herzen?
Und wie! Schlechte Kritiken sind echte Stiche für mich, die mich sehr beschäftigen und runterziehen. Wenn man ein Jahr lang Zeit und Herzblut in einen Roman gesteckt hat, hofft man natürlich, dass er auch bei den Lesern gut ankommt. Außerdem sind schlechte Kritiken auch ein wirtschaftlicher Aspekt, der im Zeitalter des Internets stark an Bedeutung gewonnen hat. Kritiken, die auf den großen Plattformen hochgeladen werden, werden von vielen Menschen gesehen. Und wenn dort ein paar 1-Sterne-Bewertungen stehen, wenden sich potenzielle Leser ganz schnell einem Stoff zu, der Besseres verspricht.

Was ist das Geräusch/der Geruch Ihrer Kindheit?
Das Geräusch meiner Kindheit ist vermutlich die Titelmelodie von „Biene Maja“. Und als Geruch fällt mir nur die Hühnersuppe meiner Oma ein. Das war damals mein Leibgericht.

Welchen Kindheitstraum haben Sie sich noch nicht erfüllt?
Einen Kindheitstraum im klassischen Sinne habe ich gar nicht. Aber ich wollte als Jugendlicher unbedingt Brettspiele erfinden. Trotz mehrerer Anläufe und Dutzender von Ideen, ist mir das nie gelungen. Das wäre ein Traum, den ich gerne noch irgendwann in meinem Leben verwirklichen will. Ich bin auch gerade mal wieder dran – mal sehen, ob es diesmal was wird.

Wenn Sie mit einem Fingerschnipsen etwas in Ihrem Leben ändern könnten – was wäre es, und warum?
Ich würde meinem Kontostand ein paar Nullen vor dem Komma dazuzaubern. Das würde es mir erlauben, mich nur noch dem Schreiben zu widmen.
Welche Figur aus einem Roman oder einem Film würden Sie gerne treffen – und was würden Sie ihm / ihr sagen?
Ich würde gerne Roy Scheider, Richard Dreyfuss und Robert Shaw treffen – die drei Hauptdarsteller aus „Der weiße Hai“, und Steven Spielberg gleich mit dazu, und ihnen für diesen Film danken. Besser kann man es nicht machen.

Was bedeutet Familie für Sie?
Meine Familie – das sind die Menschen, bei denen ich mich am wohlsten fühle. Oft gehen wir uns auf den Wecker, und ich bin sicher, dass sie mich genauso oft erwürgen möchten wie ich sie (nein, natürlich nur eine kleine, dramaturgische Übertreibung!), aber wir lieben uns und halten zusammen. Das zu wissen, ist unendlich schön.

Haben Sie ein Lieblingsbuch?
Lieblingszitat?
Ich finde „Verblendung“ von Stieg Larsson und „Erbarmen“ von Jussi Adler-Olsen ganz hervorragend, aber auch einige Bücher von Michael Crichton, Ken Follett und David Morrell.
Mein Lieblingszitat stammt aus dem Film „Best Exotic Marigold Hotel“ und lautet: „Am Ende ist alles gut. Und ist es nicht gut, dann ist es noch nicht das Ende.“

Wie würden Sie sich in drei Wörtern beschreiben?
Beharrlich. Beharrlich. Beharrlich. Ich gebe nicht gerne auf. Ein Rückschlag wird erst dann zur Niederlage, wenn man nicht aufsteht, sein Krönchen richtet und dann nochmal von vorn anfängt – nur besser. Ich glaube, dieses „Stehaufmännchenprinzip“ zeichnet mich besonders aus. Vielleich gefällt mir das obige Zitat deshalb auch so gut.

Was ist Ihnen wichtig, am Ende eines oder vielleicht sogar eines jeden Tages getan zu haben?
Meinen Kindern und meiner Frau die Gewissheit zu geben, dass ich für sie da bin. Und: wenigstens ein kleines bisschen mit dem Schreiben weitergekommen zu sein. Sonst werde ich auf Dauer unleidig.

Die beste Entscheidung Ihres Lebens war?
Ich glaube, ich habe schon ein paar ziemlich gute Entscheidungen in meinem Leben getroffen. Natürlich die Klassiker: Heirat, Kinder und Hausbau. Aber hätte ich 1995 nicht die Entscheidung getroffen, nicht in den Urlaub zu fahren, sondern daheim zu bleiben und ein Buch zu schreiben, wäre ich heute nicht mehrfacher Bestsellerautor. Schriftstellerisch war diese Entscheidung für mich wegweisend.

Wann können Ihre Leser mit dem nächsten Buch rechnen?
Das wird leider noch eine Weile dauern. Ich bin gerade an mehreren Projekten, für die aber noch gar keine Verträge abgeschlossen sind. Deshalb denke ich, dass erst 2022 das nächste Buch von mir erscheinen wird. Ich bitte alle meine Fans also um etwas Geduld. Ich arbeite jeden einzelnen Tag an meinen Romanen. Aber am Ende soll ja auch die Qualität stimmen.

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